Montag, 3. September 2012

Fette Hunde

Die Tatortpause ist vorbei. Wir haben Köln und Ballauf (Klaus J. Behrend), sowie Schenk (ohne wehenden Mantel, aber korpulent wie eh und je; Dietmar Bär) in dem Afghanistan-Thriller "Fette Hunde" gesehen. Es gabe übrigens keine Currywurst. Auch gut
Es war ein ansehbarer, wenn auch mit einem recht raschen und daher etwas unverständlichen Schluss versehener Krimi über die Afghanistan-Misere, Soldatentraumata, Sausen, Drogenkuriere und niederländische Drogenkartelle (im Hintergrund). Es gab eine Leiche, die des Drogenkuriers Eins, hingerichtet eben von einem dieser Soldaten, und eines Hundes, der stellvertretend für die traumatischen Erlebnisse der Soldaten in Afghanistan sterben musste.
Der blinde Frust dieser Soldaten, denen die Ehefrauen weglaufen, die sich, wo immer sie können, besaufen und die Drogen mit Hilfe dieser Kuriere schmuggeln, war überzeugend und hob sich ab vom Medienhype des PTBS. Gut auch der weibliche Kurier Zwei, der - voller Drogen - dennoch überlebte.
Der Schluss war etwas rasch, ein wenig zu high-noon-dramatisch und vielleicht auch ein bisschen leicht hingedreht, denn dass das Duell der zwei Soldaten auf dem Hintergrund des rebellischen links-tönenden, sein eigenes Grab aushebenden Sohnes mal eben durch das entschlossene Dazutreten Ballaufs für alle gut beendet wird, ist zu schön um wahr zu sein.
Aber wie gesagt, ein durchaus guter, gut fotografierter Krimi. Mal sehen wie es weitergeht.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Tatortpause und EM

So werden wir medial erzogen: während der EM 2012, der Doping-Olympiade und allgemein während der medialen Sommerloch-Bewältigung werden keine Tatort-Krimis (und überhaupt keine Neuproduktionen) gezeigt und wenn, dann mehr oder weniger elende Wiederholungen. Überhaupt scheint das Thema Wiederholung in unserem Fernsehgarten der Republik ein Dauerbrenner zu sein. Klar, das ist billig und scheucht Zuschauer weg zu den Hypes. Hin zu dem eher langweiligen EM-Fernsehgarten des ZDF oder wohin auch immer. Ja, unsere Fernsehkultur - sie ist heimelig-gemütlich und fussballgeil. Schweini verdient übrigens 13 Mio im Jahr!!! Nur mal als Hinweis. Neues nicht. Altes immer. Und da wundern sie sich, dass der junge Maybe lieber facebookt oder twittert, und der alte Old Surehand lieber Sissi von DVD guckt.

Montag, 14. Mai 2012

der Wald steht schwarz und schweiget

Die wäre nun Mathias Claudius nicht recht gewesen, diese Räuberballade im Pfälzer Wald. Da ging's um eine Jugendbande, die Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) entführt. Das geht dann zu wie auf einem Pfadfindercamp. Sehr diffus und auch eher oberflächlich. Natürlich löst Frau Odenthal den Fall (fast) und auch Herr Kopper (Andreas Hoppe) schmeißt sich in die Büsche und fängt die Gang.
Nur: selbst nachdem feststeht, dass die Truppe den Aufseher, der die Bande in ein Outdoorcamp (azok= alle zusammen oder keiner) ausführt, umgelegt hat, nachdem ein Mitglied der Gang tot umkippt (Herzfehler) und der Typ sich daran wohl ergötzt und ein Video auf dem Handy aufnimmt, nimmt der Krimi kaum Fahrt auf. Dann geht es zwar los und Lena muss mal Pipi.
Zum Schluss schweigt die verhaftete Truppe zum Mord - sehr gut der Junkie-Finne - und niemand kann nun den Täter lokalisieren.
Das Neue: die Twitter- und Facebook-Gemeinde sollte nun mit ermitteln. Crossmedia nennt man das. Hat sie auch getan, der ARD-Server brach wohl bald zusammen. Ergebnisse weiss man noch nicht. Aber - immerhin mal was Neuss. Der Tatort aus Ludwigshafen - diesmal im Wald bei K'lautern, zwar nicht überragend - aber innovativ.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Die Ballade von Valerie und Cenk

Das war ein herausragender Tatort, herausragend insbesondere durch die beiden Spitzendarsteller Corinna Harfouch (Valerie) und Mehmet Curtulus(Cenk). Cenk Batu ist verheiratet und seine Frau ist schwanger. Eine Frau (natürlich) spielt, maximal gleichberechtigt, die Verkörperung des Bösen, so wie es Medien sehen, aber auch wohlmeinende Feministinnen klammheimlich sehen könnten. Alles da.
Die Handlung: Börsenmakler ("Trader") tätigen dunkle Geldgeschäfte, die von der deutschen Regierung und den Bundeskanzler gedeckt zu werden scheinen. Um die Verbindungen aufzudecken, werden verdeckte Ermittler eingeschleust; einer davon ist Cenk Batu.
Es tritt dann auf Valerie (Harfouch), eine eiskalte Killerin; es fällt sogar der Name "eiskalter Engel"; sie versucht, in die Geldgeschäfte einzusteigen, indem sie einen teuflischen Deal steuert: der Tod des Bundeskanzlers wird Kurse fallen lassen und rasche Verkäufe von Aktien könnten dann riesige Geldsummen verdienen lassen; es ist die Rede von 15 Mio. Das Fatale nur: es wird ihre letzte Aktion sein, denn sie ist final krebskrank. Warum sie aber nun noch Geld braucht, wird nicht erklärt.
Sie zwingt Cenk zum Mitmachen, denn sie nimmt seine Frau als Geisel. Es spitzt sich zu, als Gloria ihr Kind verliert. Ganz wunderbar auch die beklemmende Persiflage auf die Banker, die als rasende Irre dargestellt werden, fast Shakespeare, fast... Sehr gut der "Trader", der spaßgestuert das große Geld machen will. Banker als Fun-Nudeln, irre eben, aber auch wahr.
Und dann die autistische Dramatik der Spitzenschauspielerin Corinna Harfouch - sie ersticht ohne Gemütsbewegung ihren eigenen Sohn. Die Frau Batus, Gloria, kann aber der Killerin entkommen. Das weiß Batu nicht und entschließt sich zur Tat. Er läßt sich als undercover in den Ort des Geschehens um den BK einschleusen und - das ist etwas unglaubwürdig - kann diesen ziemlich leicht als Geisel nehmen. Es ist der Plan der Killerin, dieses Attentat vor den laufende Kameras der Medien stattfinden zu lassen. Das geschieht auch, und er kommt in die Laserflecke der Scharfschützen. Er sieht dann - seine Frau Gloria in der Menge. Da läßt er den BK los, und wird nun folgerichtig von den Scharfschützen erschossen. Schade.
Batu ist auserzählt. Leider.

Montag, 23. April 2012

es ist böse

Der Tatort gestern war einer der spannenderen Filme, denn er handelt von einem Serienmörder, der Insasse einer Psychiatrie war, nicht in der "Geschlossenen", sondern der hatte Ausgang und hing sich an einen notorischen Nuttenbesucher, kam so an seine Opfer und behandelte sie - nun - wie es eben ein Serienmörder tut. Viel Blut, vielleicht ein wenig zu viel, aber OK. Und der Darsteller des Mörders (Marc Bischoff), der war richtig gut, richtig böse. Man erinnert sich an den "Totmacher" Götz Georges, ähnlich bitter und verbiestert, dabei unglaublich verunsichernd. Schlimm, und eben - böse.
Aber es war auch böse, was man den Zuschauern mit den beiden Hauptdarstellern antat. Da war erstmal Joachim Krol/Steier, zögerlich, inaktiv, wenig aufmunternd und auch undurchsichtig, bis er sich als Homo outete. Musste das sein? Fernsehtechnischer Mainstream offenbar, dem wir uns zu unterwerfen haben. Dann aber die böse Hauptkommissarin Nina Kunzenberg/Mey, über die ich schon mal was abgelassen habe. Diesmal eine Steigerung der Geschmacklosigkeiten. Die Dame ist ein schlechter Entwurf, einfach unglaubwürdig, schon wie sie mit ihrer Pistole rumschlenkert, gerne an weißen oder blauen Jeans. Grandios daneben, selbst mit ihrem sexy Hintern, oder gerade deshalb, der aber eben nicht an einen Tatort passt. Lindholm ist besser. Man kann sie nicht mehr ansehen, ohne zu regurgitieren. Das heißt: ich werde die Glotze nicht mehr anschalten, wenn ich weiss, dass das Gespann den Tatort besucht.

Dienstag, 3. April 2012

Alles hat seinen Preis

Kurzgesagt: langweilig. Der Berliner Taxiunternehmer Herbert Klemke wird erschlagen in seinem Büro aufgefunden. Die Ermittlungen der Kommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Dominik Aljinowic) bringen schnell zutage, dass verschiedene Personen am Tatabend Streit mit Klemke hatten: sein ehemaliger Mitarbeiter Bülent Delikara, zum Beispiel, der von seinem Ex-Chef noch eine größere Summe Geld bekommt. Dann werden Themen wie der Untergang von Kleinunternehmern und die Bankenkrise angerissen, ohne aber vertieft zu werden. Ewige Erzählstränge. Ewiges Rätsel Weib. Kannste vergessen.

Falsch verpackt

Kann mich gar nicht mehr so erinnern (25.3.), aber es war wohl ein etwas spannenderer Krimi mit dem thematischen Bezug der Nahrungsmittel-Schlamperei und chinesische illegal Beschäftigte. Drei tote Chinesen poltern aus einem Kühlaggregat eines Lebensmittel-Logistikunternehmens, dessen Chef später in einer Kühlkammer erfriert. Und diese Frau Bao bleibt rätselhaft. Eisner (Harald Krassnitzer)und Bibi ( Neuhauser) als sehr authentisches Ermittlerpaar. Eisner unschlagbar als weinender Versager, als der er sich sieht, und dem man die Nase zertrümmert hat. Nur leider wieder dieser unverständliche österreichische Dialekt, ohne Untertitel.