Bremen: Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) sind die Ermittler, zusammen mit dem volksphilosophischen Dicken, Leo Ulfanoff (Antoine Monot jr.), und der hat plötzlich eine sehr im Prüden gehaltene Affaire mit jener Inga. Na sowas, besonders weil der Böse seinen Sex in einem Video ungehemmt mit einer Minderjährigen, genannt Mel, ausleben kann. Die Guten treiben es im Hintergrund, die Bösen in aller Öffentlichkeit, das ist die sexuelle Freiheit im Fernsehen, inzwischen. Nicht dass ich das offen gesendete Beischlafen kultiviert fände, darum gehts ja auch garnicht.
Doch zurück zum Thema. Das handelt von den Bösen, die mitten unter uns sind und immer mehr auf den oberen Rängen der Gesellschaft ihren Platz finden,was ja nicht neu ist.
Eine Richter-Riege soll ein Bremer Umweltthema ("Weservertiefung") juristisch absichern. Eine Bürgerbewegung schreckt auch vor der Sexulavideobelastung (s.oben) des einflussreichsten der Richter nicht zurück, um ihn zu Einlenken zu zwingen. Doch es kommt gleichzeitig ein zweites Video der gleichen Gelegenheit auf, das von zwei Junkies (Ole und Mel) abgedreht wird, deren weiblicher, minderjähriger Anteil den Richter im Hotel im Bett hat. Eine simple Erpressung geht ab. 50.000 Euro sollen fließen.
Leider hat dieser Richter aber beste Beziehungen zum BKA. Jetzt tritt das BKA mit helfender Hand als Killerorganisation auf die Bühne und "erledigt" per "Avatar" den Junkie Ole; es hat schon eine ganze Menge anderer Fälle ähnlich beseitigt, im Sinne eines gerechten Kampfes gegen das organisierte Verbrechen. Die Kleine Mel, Hürchen und Straßenkid, soll als nächste dran glauben. So wird aber das BKA selber zum Bestandteil dieses Verbrechens. Wir sind alle von diesen Avataren,den Phantasiefiguren,denen man nichts nachweisen kann, umzingelt.
Rechnung ohne Stedefreund, der übrigens hinschmeißen und nach Afghanistan machen will, und Konsorten! Die klären auf, Mel ist gerettet und wie. Und komischerweise, obwohl der Richter den Satz fallen läßt: "Wenn ihr mir nicht helft, dann bebt Berlin", wandern alle in den Knast... Alles ist gut
Fazit: irgendwie zwar spannend, aber doch überzogen, und deutungsbedürftig. Der Ansatz, dass die, die das Verbrechen bekämpfen sollen, zwangsläufig selber zum Verbrecher werden müssen, ist schon spannend,aber nicht konsequent umgesetzt. Technik über alles, Anleihen an minority report etc. lassen sich nicht verheimlichen. Tatort aus Bremen: schon bessere gesehen.
Montag, 25. Februar 2013
Montag, 18. Februar 2013
Zwischen den Fronten
Ein Tatort als Politthriller. Und zwar ein spannender, ein guter. Auch sowas gibts heute und stützt meine Meinung, dass die Qualität der Tatort-Inszenierungen zugenommen hat. Erfreuliches Geschehen im Reiche der Öffentlich-Rechtlichen.
Der Tatort spielt in Österreich und in einem rechtsradikalen, fremdenfeindlichen und rassistischen Milieu. Die Kommissare sind Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser als Moritz Eisner und Bibi Fellner. Beide in gelungenen Rollen! Bei einer internationalen Konferenz kommt es zu einem Selbstmordattentat gegen den Vorsitzenden, einen Amerikaner, das aber keines ist, sondern sich gegen einen jungen Moslem richtet, der auf eben die Konferenz einen Vortrag halten soll.
Zunächst sieht es noch so aus, dann stellt sich aber heraus, dass es auch eine Beziehungstat sein könnte, und die beiden Kommissare ermitteln in diese Richtung. Doch im Hintergrund spielen andere die Musik. Dort läuft ein Spiel um rechte Minister, rechtsradikale Organisationen (Burschenschaft - ich hör dich trappeln...) und um übergeordnete Dienststellen (dort heißt das Bundesverfassungsdienst f. Terrorbekämpfung BVT). Die weibliche Gegenspielerin, eine Frau Major (die haben ja dort alle militärische Ränge) Warig, die auch sehr gut spielt, steigert noch die Rivalität der beiden Dienste.
Als der dubiose Ministerkandidat Michalski den Fall nach dem Selbstmord eines Verdächtigen ad acta legen will, kommen die beiden Ermittler erst richtig in Fahrt. Sie decken eine rechtsradikale Organisation auf, die bis in höchste Regierungskreise reicht, aber - und das ist das Niederschmetternde, durchaus real und mächtig ist: sie scheitern, die Festnahme der Mörder wird "von oben" verhindert. Das eigentliche Ziel war es, durch das fingierte Selbstmordattentat ein Überwachungsgesetz zu erzwingen, das den rechten Kräften hätte nützen können; das wurde zwar nicht in die Tat umgesetzt, und die rechte Organisation zumindest ausgebremst. Zerschlagen wurde sie aber nicht...
In Österreich,wo ein Herr Haider möglich war und rechtsradikale Burschenschaften mit Anschluss an die Gesellschaft (Akademikerball) agieren, scheint dieser Tatort "aus dem Leben gegriffen" zu sein.
Der Tatort spielt in Österreich und in einem rechtsradikalen, fremdenfeindlichen und rassistischen Milieu. Die Kommissare sind Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser als Moritz Eisner und Bibi Fellner. Beide in gelungenen Rollen! Bei einer internationalen Konferenz kommt es zu einem Selbstmordattentat gegen den Vorsitzenden, einen Amerikaner, das aber keines ist, sondern sich gegen einen jungen Moslem richtet, der auf eben die Konferenz einen Vortrag halten soll.
Zunächst sieht es noch so aus, dann stellt sich aber heraus, dass es auch eine Beziehungstat sein könnte, und die beiden Kommissare ermitteln in diese Richtung. Doch im Hintergrund spielen andere die Musik. Dort läuft ein Spiel um rechte Minister, rechtsradikale Organisationen (Burschenschaft - ich hör dich trappeln...) und um übergeordnete Dienststellen (dort heißt das Bundesverfassungsdienst f. Terrorbekämpfung BVT). Die weibliche Gegenspielerin, eine Frau Major (die haben ja dort alle militärische Ränge) Warig, die auch sehr gut spielt, steigert noch die Rivalität der beiden Dienste.
Als der dubiose Ministerkandidat Michalski den Fall nach dem Selbstmord eines Verdächtigen ad acta legen will, kommen die beiden Ermittler erst richtig in Fahrt. Sie decken eine rechtsradikale Organisation auf, die bis in höchste Regierungskreise reicht, aber - und das ist das Niederschmetternde, durchaus real und mächtig ist: sie scheitern, die Festnahme der Mörder wird "von oben" verhindert. Das eigentliche Ziel war es, durch das fingierte Selbstmordattentat ein Überwachungsgesetz zu erzwingen, das den rechten Kräften hätte nützen können; das wurde zwar nicht in die Tat umgesetzt, und die rechte Organisation zumindest ausgebremst. Zerschlagen wurde sie aber nicht...
In Österreich,wo ein Herr Haider möglich war und rechtsradikale Burschenschaften mit Anschluss an die Gesellschaft (Akademikerball) agieren, scheint dieser Tatort "aus dem Leben gegriffen" zu sein.
Montag, 11. Februar 2013
Schmutziger Donnerstag
Es sind sich diesmal alle einig: der Schweizer Tatort aus Luzern ist gut. Aktuelles Outfit, spannende Handlung und gute Fotografie - alles hat gepaßt und die Akteure sämtlich einheitlich gut, wenn auch verständliches Sprechen vielen schwerfiel. Das ist aber ein Zeichen der Zeit, so gute Sprachbeherrscher wie Gründgens oder Heinrich George (Sohn: furchtbar) kommen nie wieder.
Aber keine Ablenkung: was war die Handlung? Zur besten Fastnachtszeit in Luzern spielen auch die Zünfte, mittelalterliche Protektionsgenossenschaften und Seilschaften, mit, von denen ein sehr undurchsichtiges Mitglied während der Fastnacht und in voller Maskierung, ermordet wird. Meisterliche Masken geistern umher und machendas Ganze unwirklich. Man ist an Ensor erinnert und auch an Venedig und die Serenissima. Auch Zuckmayers Fastnachtsbeichte lieg mir im Sinn.
Es handelt sich um eine persönliche Rache gegen diese Zunft und die wird in allen Verkleidungen spannend bis zum Höhepunkt getrieben. Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) spielen sehr überzeugend. Der immer wieder neu verkleidete Mörder führt alle an der Nase herum, und das müssen auch Flückiger und seine lesbische Assistentin erleben. Zum Schluss kommt es alles ganz anders und zum verdienten und nicht überzeichneten Showdown.
Der Schweizer Tatort hat sich damit in die Oberliga hochgespielt.
Aber keine Ablenkung: was war die Handlung? Zur besten Fastnachtszeit in Luzern spielen auch die Zünfte, mittelalterliche Protektionsgenossenschaften und Seilschaften, mit, von denen ein sehr undurchsichtiges Mitglied während der Fastnacht und in voller Maskierung, ermordet wird. Meisterliche Masken geistern umher und machendas Ganze unwirklich. Man ist an Ensor erinnert und auch an Venedig und die Serenissima. Auch Zuckmayers Fastnachtsbeichte lieg mir im Sinn.
Es handelt sich um eine persönliche Rache gegen diese Zunft und die wird in allen Verkleidungen spannend bis zum Höhepunkt getrieben. Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) spielen sehr überzeugend. Der immer wieder neu verkleidete Mörder führt alle an der Nase herum, und das müssen auch Flückiger und seine lesbische Assistentin erleben. Zum Schluss kommt es alles ganz anders und zum verdienten und nicht überzeichneten Showdown.
Der Schweizer Tatort hat sich damit in die Oberliga hochgespielt.
Montag, 28. Januar 2013
Melinda
Das isser also - der erste Saarland-Tatort nach dem Rausschmiß der beiden Gregor Weber und Maximilian Brückner. Die mediale Öffetnlichekit hat schon vorab vom "dümmsten" Krimi aller Zeiten (Die Welt) gesprochen und hier vor Ort, alo im kleinen Saarland ohne Daseinsberechtigung, war man mehr als gespannt auf die beiden Neuen. Diese waren eine gewisse Elisabeth Brück und ein schon etwas bekannterer Devid Striesow (der an der Seite der unvergleichlichen Hannelore Hoger als Bella Block eine sehr gute Figur machte). Diese Brück, eine Saarländerin aus Ensdorf, gab die Lisa Marx,der andere war der "neue" Kommissar Jens Stellbrink.
Um es vorweg zu nehmen, das Tatortspiel war durchaus ansprechend und keineswegs "dumm". Es war sogar irgendwie intellektuell-schräg und das im Saarland, und noch nicht einmal übertrieben. Eine Zeitung schrieb, der Tatort habe etwas von Monty Python gehabt. Das stimmt sogar, so eine Nuance Skurrilität, die in vielen anderen todernsten Tatorten so sehr fehlt. Vielleicht die Münsteraner, aber doch nicht in dem Ausmaß.
Die Handlung: ein kleines arabisches Mädchen wird von einer Bande Araber verfolgt und flieht in einem Supermarkt zu eben dem neuen Kommissar, der sich dort Gegenstände für seine neue Wohnung zusammenstellt. Die Araber sind Mitglieder eines Drogenkartells, das die verpackten und nun verschluckbaren (swallow pads) Kokain-Packungen auch Minderjährigen eintrichtert. Das Mädchen Melinda ist eine solche. Mutter, Vater und Dolmetscher, der später zum Mörder der "Mutter" mutiert, gehören diesem Kartell an. Es kommt zu skurrilen Verwicklungen, bei denen der Neue sich allerhand Esoterika hingibt; er "spürt" den Tathergang während einer Yoga-Sitzung, statt dass er ihn ermittelt. Skurril-hinreißend auch eine Miss-Marple-hafte Saarbrückerin, die bei den Ermittlungen hilft. Absonderlicher Einfall auch das Versteck in einem ehemaligen Volkspark ("Gulliverland" mit Mini-Ausgaben berühmter Bauwerke; das gab es in SB wirklich - ich erinnere mich noch daran - ist jetzt maximal verfallen.)
Wahnsinnig komisch auch die Staatsanwältin, die durch "internationale" Verwicklungen im Verlauf der nordafrikanischen Problemkaskade ziemlich gehemmt, in ihrer Wirtwahl eher ungenehmmt daher kommt, und quasi eine weibliche Schießbudenfigur abgibt. Sehr gut.
Zum Schluss ein Shutdown an der frz. Grenze, die es ja eigentlich nicht mehr gibt. Das wirkte fast wir ein Zeitsprung in die Zeiten des seligen Louis de Funes...
Und dann ein happy end: Melinda wurde gerettet. Für den Neuen. Die Brück eher in einer Nebenrolle gegen den vorzüglichen Stellbrink.
Kritisch anzumerken wäre, dass das Saarland als Region in diesem Tatort nicht vorkam. Kein Marketing-Gag war zu sehen. War das jetzt ein Fehler der Dramaturgie oder gewollt? Denn in 10 Jahren etwa gibt's das Saarland sowieso nicht mehr.
Man freut sich auf weitere Folgen, denn eigentlich war der Tatort weder dumm noch langweilig. Er war einfach heiter-spannend! Jawohl.
Um es vorweg zu nehmen, das Tatortspiel war durchaus ansprechend und keineswegs "dumm". Es war sogar irgendwie intellektuell-schräg und das im Saarland, und noch nicht einmal übertrieben. Eine Zeitung schrieb, der Tatort habe etwas von Monty Python gehabt. Das stimmt sogar, so eine Nuance Skurrilität, die in vielen anderen todernsten Tatorten so sehr fehlt. Vielleicht die Münsteraner, aber doch nicht in dem Ausmaß.
Die Handlung: ein kleines arabisches Mädchen wird von einer Bande Araber verfolgt und flieht in einem Supermarkt zu eben dem neuen Kommissar, der sich dort Gegenstände für seine neue Wohnung zusammenstellt. Die Araber sind Mitglieder eines Drogenkartells, das die verpackten und nun verschluckbaren (swallow pads) Kokain-Packungen auch Minderjährigen eintrichtert. Das Mädchen Melinda ist eine solche. Mutter, Vater und Dolmetscher, der später zum Mörder der "Mutter" mutiert, gehören diesem Kartell an. Es kommt zu skurrilen Verwicklungen, bei denen der Neue sich allerhand Esoterika hingibt; er "spürt" den Tathergang während einer Yoga-Sitzung, statt dass er ihn ermittelt. Skurril-hinreißend auch eine Miss-Marple-hafte Saarbrückerin, die bei den Ermittlungen hilft. Absonderlicher Einfall auch das Versteck in einem ehemaligen Volkspark ("Gulliverland" mit Mini-Ausgaben berühmter Bauwerke; das gab es in SB wirklich - ich erinnere mich noch daran - ist jetzt maximal verfallen.)
Wahnsinnig komisch auch die Staatsanwältin, die durch "internationale" Verwicklungen im Verlauf der nordafrikanischen Problemkaskade ziemlich gehemmt, in ihrer Wirtwahl eher ungenehmmt daher kommt, und quasi eine weibliche Schießbudenfigur abgibt. Sehr gut.
Zum Schluss ein Shutdown an der frz. Grenze, die es ja eigentlich nicht mehr gibt. Das wirkte fast wir ein Zeitsprung in die Zeiten des seligen Louis de Funes...
Und dann ein happy end: Melinda wurde gerettet. Für den Neuen. Die Brück eher in einer Nebenrolle gegen den vorzüglichen Stellbrink.
Kritisch anzumerken wäre, dass das Saarland als Region in diesem Tatort nicht vorkam. Kein Marketing-Gag war zu sehen. War das jetzt ein Fehler der Dramaturgie oder gewollt? Denn in 10 Jahren etwa gibt's das Saarland sowieso nicht mehr.
Man freut sich auf weitere Folgen, denn eigentlich war der Tatort weder dumm noch langweilig. Er war einfach heiter-spannend! Jawohl.
Dienstag, 8. Januar 2013
Machtlos
Die Kommissare Till Ritter (Dominik Raacke und Felix Stark (Borsi Aljinovic in Berlin sind machtlos. Denn ein Kidnapper (Edgar Selge) entführt das einzige Kind eines reichen Bankers. Natürlich, er will Lösegeld, und zwar nicht zu knapp, in zwei "Tranchen". Die erste - 500.000 - gibt er nach der Übergabe auf dem belebten Alex in Berlin an zufällig Vorüberkommmende aus. Er verschenkt das Geld, dann - er wird von der geballten Kraft der Berliner Polizei beobachtet - lädt er eben diese ein, ihn zu verhaften. Was die zunächst mal nicht tun, denn er könnte sie ja zu dem Versteck des Kindes führen. Doch er provoziert sie so, dass sie ihn dann doch verhaften. Nun kommt's: er will das weitere Lösegeld von der Familie - 10 Mio. Nicht wenig, und das unter den Augen der Polizei. Nur dann wird er das Versteck preisgeben, aber die Zeit läuft, denn das Kind hat nichts mehr zu trinken. Es wird also verdursten.
Es entsteht ein Wettlauf gegen die Zeit, und die beiden Kommissare können nichts tun; sie sind machtlos, denn der Kidnapper, der intensiv verhört wird (nah am Foltertatbestand) schweigt.
Der Kidnapper heißt Uwe Braun und hat eine bewegte Vergangenheit, die wirtschaftlich von eben dieser Bank bestimmt, d.h. ruiniert wurde. Das liegt zwar lange zurück, und es kann sein, dass dieser Uwe Braun, mit einer recht zerstörten Familie (zwei Kinder, die nichts mit ihm zu tun haben wollen) einfach Rache üben will. Doch das stimmt eben nicht. Er will "ein Zeichen setzen" und möchte das Geld gegen den Hunger in der Welt verwenden, ein ehrenhafter Kidnapper also, verrückt und doch logisch irgendwie, wenn er sagt, dass das Leben des entführten Kindes gegen das der Tausende Kinder steht, die täglich hungers sterben in der Welt. Verrückt, aber plausibel. Und sehr gut gespielt von Edgar Selge. Aber auch die Kommissare sind gut, zurückgenommen und eben rat- und machtlos. Die überraschend Lösung ist, dass das Zeichen - nach einer anrührenden Konfrontation mit dem verlorenen Sohn (Sohn des Selge im wirklichen Leben) aus Zürich - wirklich gesetzt wird.
Es kommt zu einer überraschend Lösung:
Er sieht die Unmöglichkeit der Geldübergabe unter den Augen der Polizei ein, verlangt daher in einer Gegenüberstellung mit der Mutter, dass die Millionen nun von ihr selber zweckgebunden, so wie er das will, eingesetzt werden. Dann wird er das Versteck preisgeben. Das wird von allen, auch erleichtert, akzeptiert und das Kind wird - lebend - gefunden.
Der Tatort ohne Leiche. Der Tatort psychologisch auf hohem Niveau und mit authentischen Szenarien. Der Tatort: eben gut.
Sollten wir auf dem Wege in eine neue, eine bessere Tatortwelt ein?
Es entsteht ein Wettlauf gegen die Zeit, und die beiden Kommissare können nichts tun; sie sind machtlos, denn der Kidnapper, der intensiv verhört wird (nah am Foltertatbestand) schweigt.
Der Kidnapper heißt Uwe Braun und hat eine bewegte Vergangenheit, die wirtschaftlich von eben dieser Bank bestimmt, d.h. ruiniert wurde. Das liegt zwar lange zurück, und es kann sein, dass dieser Uwe Braun, mit einer recht zerstörten Familie (zwei Kinder, die nichts mit ihm zu tun haben wollen) einfach Rache üben will. Doch das stimmt eben nicht. Er will "ein Zeichen setzen" und möchte das Geld gegen den Hunger in der Welt verwenden, ein ehrenhafter Kidnapper also, verrückt und doch logisch irgendwie, wenn er sagt, dass das Leben des entführten Kindes gegen das der Tausende Kinder steht, die täglich hungers sterben in der Welt. Verrückt, aber plausibel. Und sehr gut gespielt von Edgar Selge. Aber auch die Kommissare sind gut, zurückgenommen und eben rat- und machtlos. Die überraschend Lösung ist, dass das Zeichen - nach einer anrührenden Konfrontation mit dem verlorenen Sohn (Sohn des Selge im wirklichen Leben) aus Zürich - wirklich gesetzt wird.
Es kommt zu einer überraschend Lösung:
Er sieht die Unmöglichkeit der Geldübergabe unter den Augen der Polizei ein, verlangt daher in einer Gegenüberstellung mit der Mutter, dass die Millionen nun von ihr selber zweckgebunden, so wie er das will, eingesetzt werden. Dann wird er das Versteck preisgeben. Das wird von allen, auch erleichtert, akzeptiert und das Kind wird - lebend - gefunden.
Der Tatort ohne Leiche. Der Tatort psychologisch auf hohem Niveau und mit authentischen Szenarien. Der Tatort: eben gut.
Sollten wir auf dem Wege in eine neue, eine bessere Tatortwelt ein?
Mittwoch, 2. Januar 2013
Der tiefe Schlaf
Die Münchner Leitmayr und Batic (Udo Wachtveitel und Miroslav Nemec) ermittelten gestern wieder, doch ging nichts so wie es in einem Tatortschema eigentlich zuzugehen hat:
Leiche, Spuren, Verdacht, Theorie, (noch 'ne Leiche), Dramatik, Lösung. Ende an der Currybude, oder einer ähnlichen Institution.
Nein, dieser Tatort, vielleicht leiten dieser und der mit der Furtwängler zu neuen Tatortwelten über, wurde klischeelos und schlüssig-spannend bis zur letzten Minute vorgetragen. Es ging um einen Mädchenmord, auf einsamer Straße, doch um diesen weniger als um den unglaublich mitreißenden Auftritt des Polizei-Adepten Gisbert Engelhard (Fabian Hinrichs), eine wahre Entdeckung. Der nämlich, in jedes Fettnäpfchen bei den altgedienten Kommissaren stolpernd, hat als Fernmelder jahrelang bei der Bundeswehr gedient; also auch solche Antirambos kommen bei der Bundeswehr vor? Und jetzt soll er eine Art Verstärkung bei der Aufklärungsarbeit der beiden sein und siehe da, in etwas trotteliger aber liebenswerter Art schafft er sogar Lösungshilfen, die jedoch meist im Unklaren verdämmern. Wie überhaupt der Tatort einer der persistierenden Unklarheiten ist - bis zum Schluss, denn eine richtige Lösung, mit Gutmenschen und Bösewichtern, die eingelocht werden, gibt es nicht.
Dieser Gisbert, ein Antiheld, kein Draufgänger, man würde sagen, ein Softie, besticht durch das Unkonventionelle, die andere Art; vielleicht auch ein Zugeständnis an die heute geforderte neue Männerolle. Naja, denn er scheitert ja, bezahlt sein Softiedasein mit dem Leben. Paradigma der Sanftmütigkeit?.
Der aufwühlende Schwenk der Handlung ist ja dann auch der Tod ebendieses Adepten durch den Mörder selber, grausam provoziert durch die Besserwisser-Kommissare, die dann - recht glaubwürdig - sich schuldig fühlen und leiden wie Hunde. Der Zuschauer ist ziemlich mitgenommen, selten bei so abgebrühten Tatortkonsumenten wie dem Autor.
Der Mörder dann - akustisch entlarvt durch eben die Vorarbeit dieses armen Teufels Gisbert, dem unsere Sympathien gehört - entkommt, aber er wird nicht gefangen, das wäre auch zu schön, sondern er wird auf der Flucht vor den nun recht unprofessionell agierenden Kommissaren, von einem Auto überfahren.
Offen ist, ob der nun wirklich der Mörder war. Alles unklar eben. Und unsicher.
So kann das wirkliche Leben sein: scheitern wie und wo immer, versagen und verkümmern. Aber auch Besinnung, nachdem es "passiert" ist. Alle Akteure glaubwürdig und konsistent.
Leichen werden übriges nicht gezeigt, nur in Andeutungen. Sympathischer, aufrührender Tatort. Den Gisbert übrigens möchte man öfter sehen.
Leiche, Spuren, Verdacht, Theorie, (noch 'ne Leiche), Dramatik, Lösung. Ende an der Currybude, oder einer ähnlichen Institution.
Nein, dieser Tatort, vielleicht leiten dieser und der mit der Furtwängler zu neuen Tatortwelten über, wurde klischeelos und schlüssig-spannend bis zur letzten Minute vorgetragen. Es ging um einen Mädchenmord, auf einsamer Straße, doch um diesen weniger als um den unglaublich mitreißenden Auftritt des Polizei-Adepten Gisbert Engelhard (Fabian Hinrichs), eine wahre Entdeckung. Der nämlich, in jedes Fettnäpfchen bei den altgedienten Kommissaren stolpernd, hat als Fernmelder jahrelang bei der Bundeswehr gedient; also auch solche Antirambos kommen bei der Bundeswehr vor? Und jetzt soll er eine Art Verstärkung bei der Aufklärungsarbeit der beiden sein und siehe da, in etwas trotteliger aber liebenswerter Art schafft er sogar Lösungshilfen, die jedoch meist im Unklaren verdämmern. Wie überhaupt der Tatort einer der persistierenden Unklarheiten ist - bis zum Schluss, denn eine richtige Lösung, mit Gutmenschen und Bösewichtern, die eingelocht werden, gibt es nicht.
Dieser Gisbert, ein Antiheld, kein Draufgänger, man würde sagen, ein Softie, besticht durch das Unkonventionelle, die andere Art; vielleicht auch ein Zugeständnis an die heute geforderte neue Männerolle. Naja, denn er scheitert ja, bezahlt sein Softiedasein mit dem Leben. Paradigma der Sanftmütigkeit?.
Der aufwühlende Schwenk der Handlung ist ja dann auch der Tod ebendieses Adepten durch den Mörder selber, grausam provoziert durch die Besserwisser-Kommissare, die dann - recht glaubwürdig - sich schuldig fühlen und leiden wie Hunde. Der Zuschauer ist ziemlich mitgenommen, selten bei so abgebrühten Tatortkonsumenten wie dem Autor.
Der Mörder dann - akustisch entlarvt durch eben die Vorarbeit dieses armen Teufels Gisbert, dem unsere Sympathien gehört - entkommt, aber er wird nicht gefangen, das wäre auch zu schön, sondern er wird auf der Flucht vor den nun recht unprofessionell agierenden Kommissaren, von einem Auto überfahren.
Offen ist, ob der nun wirklich der Mörder war. Alles unklar eben. Und unsicher.
So kann das wirkliche Leben sein: scheitern wie und wo immer, versagen und verkümmern. Aber auch Besinnung, nachdem es "passiert" ist. Alle Akteure glaubwürdig und konsistent.
Leichen werden übriges nicht gezeigt, nur in Andeutungen. Sympathischer, aufrührender Tatort. Den Gisbert übrigens möchte man öfter sehen.
Montag, 17. Dezember 2012
Das goldene Band
Das war die Fortsetzung des so ungewöhnlich geendeten letzten Tatorts mit Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler).
Man hatte eigentlich nicht mit einer Fortsetzung gerechnet, da es authentisch wirkte, wie die erschütternde Zuspitzung der Zwangsprostitution als perpetuum mobile in Szene gesetzt wurde, Ende also offen. Täter scheinbar gefaßt - so war das, und das wirkte.
Und ich tue mich schwer, den Tatort gestern mit gleichem Enthusiasmus wie den vorigen zu feiern. Sicher auch der war spannend, aber er hatte Schwachstellen. Z.B. die doch etwas unerwartete Doppelreise nach Weißrussland, mit dem schwierigen Jan. Dort die melodramatische Zuspitzung mit Mordversuch an der Lindholm, die dann durch ebendiesen Jan gerettet wurde. Durchschaubar spannnungsteigernde Einlage. Musste das sein? Oder die nun doch wieder moralisch hochpositive Lindholm-Lösung: alle bösen Promis werden der gerechten Strafe zugeführt. Die Bullen sind mal wieder die Guten. Und alle Männer die Bösen; weg mit ihnen! Wegsperren oder Abschieben.
Gut übrigens ein neues Gesicht: Alessija Lause als Carla Prinz, Ermittlerin aus Hannover.
Und die Ablösung, der Abschuss des Jan Liebermann als lieber Mann? Sicher - der spielte als Enthüllungsjournalist eine sehr zwielichtige Rolle, aber dass nun die spröde Lindholm, übrigens zeitweise mit sehr guter schauspielerischer Leistung, den Liebesentzug draufsetzte - auch nicht soo nötig für die Gesamthandlung.
OK, das Thema musste einem gestelzten Endkonstrukt zugeführt werden - Tatort muss moralisch sein. Aber dieser bekommt nicht die Note EINS, sondern ZWEI minus... Der anschließende Talkshowrummel mit Jauch und den eigentlich ganz interessanten Gästen, Alice Schwarzer, einem Bordellbesitzer und einer Nutte, sowie Künast und einem Bullen, diese Talkshow war kaum erhellend, außer mit der Forderung, nun die Freier als eigentlich Schuldige, zu "ächten", so A. Schwarzer. Ob das die Lösung beim ältesten Gewerbe der Welt ist? Das auch ohne Zwang die Jahrtausende überdauert hat? Und ist Deutschland wirklich die Bordellhochburg nach der grünen Deregulierung?
Ein richtiger Satz fiel jedoch auch: die Zwangsprostitution muss in den Herkunftsländern bekämpft werden, und zwar durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Prosperitätsprogamme. Nur wo die Armut abnimmt, nimmt auch das organisierte Verbrechen ab!!
Man hatte eigentlich nicht mit einer Fortsetzung gerechnet, da es authentisch wirkte, wie die erschütternde Zuspitzung der Zwangsprostitution als perpetuum mobile in Szene gesetzt wurde, Ende also offen. Täter scheinbar gefaßt - so war das, und das wirkte.
Und ich tue mich schwer, den Tatort gestern mit gleichem Enthusiasmus wie den vorigen zu feiern. Sicher auch der war spannend, aber er hatte Schwachstellen. Z.B. die doch etwas unerwartete Doppelreise nach Weißrussland, mit dem schwierigen Jan. Dort die melodramatische Zuspitzung mit Mordversuch an der Lindholm, die dann durch ebendiesen Jan gerettet wurde. Durchschaubar spannnungsteigernde Einlage. Musste das sein? Oder die nun doch wieder moralisch hochpositive Lindholm-Lösung: alle bösen Promis werden der gerechten Strafe zugeführt. Die Bullen sind mal wieder die Guten. Und alle Männer die Bösen; weg mit ihnen! Wegsperren oder Abschieben.
Gut übrigens ein neues Gesicht: Alessija Lause als Carla Prinz, Ermittlerin aus Hannover.
Und die Ablösung, der Abschuss des Jan Liebermann als lieber Mann? Sicher - der spielte als Enthüllungsjournalist eine sehr zwielichtige Rolle, aber dass nun die spröde Lindholm, übrigens zeitweise mit sehr guter schauspielerischer Leistung, den Liebesentzug draufsetzte - auch nicht soo nötig für die Gesamthandlung.
OK, das Thema musste einem gestelzten Endkonstrukt zugeführt werden - Tatort muss moralisch sein. Aber dieser bekommt nicht die Note EINS, sondern ZWEI minus... Der anschließende Talkshowrummel mit Jauch und den eigentlich ganz interessanten Gästen, Alice Schwarzer, einem Bordellbesitzer und einer Nutte, sowie Künast und einem Bullen, diese Talkshow war kaum erhellend, außer mit der Forderung, nun die Freier als eigentlich Schuldige, zu "ächten", so A. Schwarzer. Ob das die Lösung beim ältesten Gewerbe der Welt ist? Das auch ohne Zwang die Jahrtausende überdauert hat? Und ist Deutschland wirklich die Bordellhochburg nach der grünen Deregulierung?
Ein richtiger Satz fiel jedoch auch: die Zwangsprostitution muss in den Herkunftsländern bekämpft werden, und zwar durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Prosperitätsprogamme. Nur wo die Armut abnimmt, nimmt auch das organisierte Verbrechen ab!!
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