Donnerstag, 8. Oktober 2015

Tatort tot

Was ich meine, ist, dass die modern gestylten Tatort-Krimis meinen Geschmack immer weniger treffen. Sie sind kompliziert geplottet, teilweise unverständlich (auch physikalisch, was den Ton angeht) und überfordern durch rascheste Szenen- und Inhaltswechsel den Zuschauer. Sie gerieren sich als Trendsetter nicht nur in Kleidern, Gestik und lokaler Unbestimmtheit, sondern auch in einem ganz neuen Pornoverständnis, das aus meist geschmacklosen Coitus-Ensembles jeder Provenienz besteht, auch den regenbogenfarbigen.
Und warum muss in ihnen immer wieder geraucht werden, solo, in Gruppen und sogar am Steuer, wo übrigen auch mit dem Mobile telefoniert wird. Straftatbestand, bussgeldbewehrt.
Die Handlungen sind ziemlich gleichartig konstruiert, die Schauspieler, merkt man, genervt, gute sind selten. Borowski, Buckow, etc. gehören dazu, Mathias Brandt hat's schon aufgegeben.

Ich lobe mir dann doch einen nordisch-klaren, wenn auch oft brutalen Wallander... -  Rolf Lassgard oder auch Krister Hendriksson sind großartig.
Un aus diesem Grunde werde ich hier keine Tatort-Krimis mehr besprechen, erst wenn sie wieder besser geworden sind. Das kann dauern, doch die Hoffnung - was macht sie zuletzt?

Montag, 10. August 2015

Was seitdem geschah...

Seit der Besprechung dieses Borowski-Tatorts gab es eigentlich keine wesentlichen, aufrührenden Krimis dieser Sorte mehr im ARD-Fernsehen. Eher schwache Produktionen, die es nicht lohnt, hier besprochen zu werden. An diesem besonderen Ort. Und jetzt in der Urlaubszeit? Da wird man mit Wiederholungen genervt, dass es kaum erträglich ist. Alte bis uralte Tatort-Produktionen, abwechselnd mit der allerdings spannungsmäßig sehr aufholenden Serie Polizeiruf 110, etwa mit Anneke Kim Sarnau (als Frau König) und Charlie Hübner (als Alexander Bukow; sehr gut und sicher zukunftsträchtiger Tip).
Gestern war es der Tatort aus 2011, "die Heilige", mit Leitmeier und Nemec, doch recht spannend, die Geschichte der sich verstrickenden Justizangestellten Marie, die einem leider sympathischen Gewaltverbrecher zum Ausbruch verhilft. Sehr zu ihrem, aber auch seinem Nachteil...
Also bis September, meine ich, sollte man den Fernseher, wenn man ihn denn nicht wegen DSDS oder anderem Mist, sondern für die Zelebrierung des Tatortkults einschaltet, lieber ausgeschaltet lassen. Auch für das Familienleben gut.

Montag, 30. März 2015

Borowski und die Kinder von Gaarden (29. März 2015)

Thematisch zwar anrührender Film, aber mit ziemlichen Längen. Es geht um einen Kinderschänder-Mord in einem sehr anschaulich geschilderten asozialen Milieu, eben diesem Kieler Stadtteil Gaarden. Jedoch: an aufgebauter Spannung verliert der Film dann, je länger er andauert. Ziemlich langweilige Dialoge, auch die mit einem etwas "unlegal" agierenden Polizisten ("Revierpflege") - der heute in Fernsehfilmen obligate Koitus darf natürlich nicht fehlen, dann die dramatisch sein sollende Wende im Ermittlungsablauf: ein kleiner 10Jähriger ist dann der Täter. Die Umfeldpersonen bleiben wie sie sind. 
Wie geht es dem Hund? 
Das ist die entscheidende Frage, als bekannt wird, dass der Kinderschänder tot ist… (Übrigens ein schrecklicher Köter)


Note: 3

Montag, 23. März 2015

Das Muli 22. März 2015

Erster Berliner Tatort mit neuen KommissarInnen (der männliche ganz gut). Es geht um Kokstransport im Darm und ziemlich schräge Ermittler. Dieser Tatort lebt von Andeutungen und man hat Mühe, der komplizierten Mehrfach-Handlung zu folgen. Das hat sich auch schon eingebürgert.
Mir hat der Tatort nicht gefallen. Sexscenen nach Art von shades of grey, gar nicht gut. Unappetitlich. Aber das ist der Trend im öffentlich Rechtlichen sowieso.
Note: 4

Dienstag, 20. Januar 2015

Die Sonne stirbt wie ein Tier (18.1.2015)

Der Titel ist wirr und irreführend, in diesem Tatort der Ludwigshafener Truppe Lena Odenthal(Mario Kopper (Ulrike Folkerts/Andreas Hoppe). Die Sonne stirbt, doch zum Glück nicht der Mond. Sonst wäre kein Licht mehr im Film.
Es fällt zweierlei auf: Erstens die dialektfremde Neue (Lisa Bitter), kühl und wenig integriert (kann man drauf verzichten) und zweitens der sehr überzeugend spielende Ben Münchow (spielt den Gerd Holler; den wird man sich merken müssen).
Nun, Lena ist im Rehaverfahren wegen eines Burnout. Wirkt insgesamt etwas echter als sonst. Sie entläßt sich aber, um in dem Fall des gemetzelten und gnaden-getöteten Pferdes und ebenfalls mausetoten Pferdepflegers mit zu ermitteln. Der Stalker Holler, triebgetrieben, böse und unsauber, ist der Täter - nicht!
Die affärengetriebene Ehefrau des Anwalts und Besitzers des Pferdehofes ist es  - klar...
Holler ist aber die eigentliche Hauptfigur, getrieben, hart-weich, und er trägt den sonst eher schwachen, effektgeladenen Film mit dem unsinnigen Titel bis zum bitteren Ende, das seiner Entleibung. Im wahrsten Sinne des Wortes entleibt er sich in des Leibes Mitte, und das im Beisein seiner entführten Flamme, die nun wieder breites Pfälzisch spricht, soweit sie kann.
Fazit: mäßig, teilweise gelungen. Note Drei.

Montag, 22. Dezember 2014

Der Maulwurf (21.12.2014)

Dieser Erfurtkrimi war spannend, selbst wenn die Kritiker der Großpresse es anders sehen. Henry Funck (Friedrich Mücke), Maik Schaffert (Benjamin Kramme) und Johanna Grewel (Alina Levshin) waren die Kommissare. Es ging um einen Entführungsfall und einen geldgierigen Polizisten, der zwar als Respektsperson auftritt, aber dieses nicht ist. Der Mann wird von einem entlassenen Verbrecher erpresst, den er dann erschießt. Es ist zwar eine eher simple Handlung, aber die hochkomplizierten Handlungsstränge der sog. "modernen" Tatortdrehbücher sind so anstrengend, dass sie nicht mehr spannend sein können. Also mal ein weniger aufdringlicher, weniger gemainstreamter, dafür aber spannender Krimi, der den Sonntagabend mal wieder kurzweilig auflockerte.

Montag, 8. Dezember 2014

Der sanfte Tod (7.12.2014)

Ich halte diesen Tatort für gut, ja für einen gelungenen Themen-Tatortinszenierungen seit langem. Dabei liegt mir das Thema der Massentierhaltung und des billigen Fleisches und der damit leider verbundenen Ideologisierung des Themas Steak und Wienerschnitzel als fleischfressendem Individuum eigentlich gar nicht so. Aber die Furtwängler (Charlotte Lindholm) an Heino Ferch (Jan Peter Landmann), das hatte schon was.
Die Handlung: ein fleischverarbeitendes Großunternehmen (Schweineverarbeitung, Futter besteht aus genmanipuliertem Mais), das Hunderte von Werkvertragsarbeitern (!) beschäftigt, und das praktisch ganz Niedersachsen dominiert, ist als Familienbetrieb von einem einzigen Manne, der früher Bauer war und daher Landmann heißt, geleitet. Der sieht sich auf der Seite der Guten, mit zum Teil verbrecherischen, ja mörderischen Mitteln gegen Anderdenkende. 
Er ist Alleinerzieher mit einer Tochter (ähnlich Lindholm!) und er hat einen kriminalisierten Sicherheitsdienst, bissige Großhunde und beste Beziehungen zu den agrarisch aufgestellten Politikern dieses Bundeslandes. Er lässt seinen Chauffeur - Kritiker - ermorden (man denkt erst, er selber sei gemeint), und vernichtet auch dessen Mutter im Rahmen einer verursachten Salmonelleninfektion. Er versucht das Gleiche an seinem Vetter, der aufdecken will, dass er eine wissenschaftlich sehr dubiose Methode zur Haltbarmachung seiner Wurst entwickelt. Bakterienfresser, getestet an verkauftem Gammelfleisch. Dieser alkoholabhängige Vetter ist allerdings auch selber böse und versucht, seinen Onkel mit einer Auto-Manipulation umzubringen. Das wirkt ein wenig aufgesetzt.
Da kommt ihm Charlotte Lindholm gerade recht in die Quere, der er sich anbaggernd nähert. Diese wird von einer sehr naiven Jungpolizistin assistiert (gut gespielt!), der sie sich auch noch mütterlich annehmen muss; dann geht's. 
Sie wird in eine tödlich-aussichtslose Lage gebracht, entkommt dieser Lage (natürlich), aber: die Macht des politischen Establishments ist größer, sodaß Landmann (vielleicht) davon kommt. Doch der Zeuge des Mordes am Chauffeur, der mit dem Tick, tritt schlussendlich ins Bild. Doch dann hört der Film auf.
Alles bleibt in der Schwebe…

Das war alles andere als eine Romanze. Das war sehr gute Abendunterhaltung, vielleicht ein bisschen mit Themen überladen. Das als Kritik. Note Eins Minus

Freitag, 5. Dezember 2014

Die Feigheit ds Löwen (30.11.2014)

Es spielten in Oldenburg Wotan Wilke Möhring (Falke) und Petra Schaller (Lorenz) in einem sehr undurchsichtigen Film, bei dem es um Folgendes ging:
In einem Park bei Oldenburg (Syrer-Hochburg? Wusste man so gar nicht) wird die Leiche eines Mannes aufgefunden. Der Deutsch-Syrer hatte offenbar Kontakt zu einem Schleuserring, den die Bundespolizei bereits länger observiert. Kommissar Falke und seine Kollegin Lorenz ermitteln in der verschworenen deutsch-syrischen Gemeinschaft. Der Schrecken des Bürgerkrieges überschattet ihr Zusammenleben, denn viele der in Oldenburg lebenden Deutsch-Syrer haben Kriegsflüchtlinge aufgenommen.
Das wäre ein guter Plot gewesen, aber es war keiner. Die Anfangsszene mit einem durch Polizeihand erschossenen Schlepper wird z.B. gar nicht in den Handlungsablauf eingeführt. Gut spielt aber die syrische Hauptfigur, der Bruder aus Syrien, der sich an einem Folterknecht Assads rächen will.
Leider bleiben aber nur die Sexszenen zwischen Falke und Lorenz in Erinnerung... Note: 3

Dienstag, 25. November 2014

Eine Frage des Gewissens (23.11.2014)

Finaler Rettungsschuss mit tödlichem Ausgang, ein alkoholabhängiger Kommissar und ein überraschender Schluss, der vielleicht nicht ganz passend war. Kurz und gut, der Tatort dieses Sonntags war ansehnlich, aber nicht übermäßig spannend, obwohl das mit den Kommissaren Lannert und Bootz denkbar gewesen wäre, besonders mit dem spannenden Anfangs-Ereignis, nämlich dem tödlichen Schuss auf den Geiselnehmer im Supermarkt. Doch dann verzettelt sich das Ganze auf eine merkwürdige Weise. Bootz reüssiert als illegaler Aktionist, meist alkoholisiert, Lannert als wieder reingewaschener Schussexperte (auch überraschend), und dann diese Vergewaltigung einer  Zeugin durch den Rechtsanwalt der Gegenseite. Die wurde dann von der Gattin des Rechtsanwalts ermordet. Und doch dann zur Aufdeckung einer Mörderbande führte... Doch ein bisschen unglaubwürdig. Note: 3

Montag, 17. November 2014

Vielleicht (16.11.2104)

Es ist nicht logisch! Dieser Abschiedstatort für Felix Stark (Boris Aljinovic) ohne seinen Kollegen Till Ritter war stark unlogisch. Er war ein Lehrstück für Zwischengelagertes, nämlich Parapsychologie - und die ist nun mal nicht logisch. Die Psychologietstudentin Trude aus Trondheim - super gespielt von Lise Risom Olsen - kann nämlich in ihrenTräumen sehen, was geschehen wird, also auch Morde. Vage Erinnerung an den Minority Report mit Tom Cruise kommt auf, doch ist dieser Krimi viel anspruchsvoller und "logischer".
Sie sieht dann den Mord an der Freundin der Trude richtig voraus - dieser Täter wird auch gefasst, doch dann sieht sie Stark selber in Gefahr. Der wird dann auch umgelegt; er soll ja nicht mehr in weiteren Berliner Tatorten verfügbar sein. Trick der Regie, wie so oft. Und er überlebt, schwer verletzt, der Arzt kommt und sagt auf die Frage "Wird er überleben?" "Vielleicht!"
Motto für den nächsten  Krimi? Wir haben Hoffnung.
Der Tatort gestern war jedenfalls erstaunlich echt und verstörend zugleich -Note 1

Montag, 27. Oktober 2014

Blackout (26.10.2014)

Burnout der Lena Odenthal (Ulrike Folkerts). Blackout und Frauenpower der handelnden Personen. Männer: eher weg vom Fenster oder in Taormina (Kopper) Ein sehr undurchsichtiger Tatort, was die Handlung anging, doch sehr vordergründig durchsichtig, was die Frauen betraf. Die waren Opfer und Täter und Ermittler und  - eben- burnout.
Besprechung in ausführlicher Form verzichtbar.

Montag, 13. Oktober 2014

Im Schmerz geboren (12.10.2014)

Tja, war das ein Tatort-Krimi? Definiert als mehr oder weniger spannende Sonntagabend-Unterhaltung, seit Jahrzehnten Bestandteil unserer Fernsehkultur, der des ARD-Fernsehens zumal, war dieser Tatort mit Ulrich Tukur - Murot, Alexander Held (Bosco) und Ulrich Matthes (Harloff) eigentlich keiner. Er war spannend bis zum Umfallen, tragisch bis zur Einsamkeit und er war, einmalig das, gespieltes Spiel. Es war wahrscheinlich der beste Tatort, den der Autor dieser Zeilen je gesehen hat. "Franziska" aus Köln war ähnlich spannend, aber verstörender und auch "klassischer". Dieser dagegen ist so vollständig aus dem Rahmen eines Tatortkrimis  gefallen, dass es danach eigentlich keinen "klassischen" Tatort mehr geben kann. Alle nachfolgenden werden sich an diesem messen lassen müssen.
So - was war nun dran an diesem Krimi?
Ein bolivianischer Drogenboss, eigentlich Deutscher mit Polizeischulenvergangenheit, kehrt nach Deutschland zurück, um hier- nicht etwa ein neues Netz organisierter Kriminalität aufzubauen, sondern um - persönliche - Rache zu nehmen, begleitet von seinem Sohn, einem Aufratgskiller. Das ganze unterlegt mit klassischer Musik, unterlegt mit den theatermäßigen Einlagen eines Garagenbesitzers (Kaufmann von Venedig) mit eben diesem Tick, gespielt unnachahmlich von Alexander Held.
Nun die Szene am Bahnhof, bei der die ersten von insgesamt 43 Leichen entstehen (auch eine Spitzenleistung), ist reines Italowestern-Zitat. Passt aber. Den drei Söhnen des Bosco (der Garagist) folgt er selber in einer einmaligen Szene, bei der ein Laserpunkt wie ein roter Ball aus der Hand des Harloff mit den Teufelsaugen hinüber wandert zum Bosco und dort verharrt, Zielpunkt des tödlichen Schusses.
Murot, Ermittler mit der nun etwas weniger passgenauen Frau Wächter (Barbara Philipp), ist der ehemalige Freund des Harloff aus Polizeischulentagen, und sie haben gemeinsam ein bolivianisches Weib geliebt, Mariella mit Namen. Es entstand ein Kind. Der Sohn des Harloff (Golo Euler), man ahnt es allerdings früh, ist nicht dessen, sondern Murots Sohn. Und so nimmt die griechische Tragödie ihren Lauf, während derer eben diese 43 Leichen anfallen.
Als diese alle tot sind - shakespearische Ausmaße sind das - betritt Bosco wieder die Bühne und spricht den Abgesang "Denn Rache ist kein guter Rat..." und alle Schauspieler versammeln sich auf der Bühne, bevor der Vorhang fällt - Spiel im Spiel. Und so nimmt man in der Tat die Grausamkeiten des Hergangs weniger grausam, aber um so beispielhafter für die Vergeblichkeit eines Lebens, das sich allein aus der Rache speist. Der Sohn, der eigentliche Tragöde, erwürgt seinen Pseudovater, diesen verführerischen Teufel, und endet dann selber - tragisch eben, weil aussichtslos.
Am Ende steht aber dann doch ein befreiendes Schmunzeln...

Montag, 6. Oktober 2014

Winternebel (5.10.2014)

Das war ein Bodenseekrimi, wie gehabt, mit den betulichen Klara Blum und Perlmann sowie der spärlichen Landschaftskulisse (schön, natürlich) und dem Schema "reich = eiskalt" oder "reiche Tochter entführt", "Familie ohne Gefühl". Sollte im Winter spielen. No snow.
Soweit, so gut. Hinzu kamen zwei Schweizer Polizisten, einer mit der Neigung, seine Pistole sehr schnell zu ziehen und zu schießen, mit tödlicher Folge für einen zu der Zeit möglichen Entführer einer Tochter aus reichem Hause (s.o.).
Immerhin zwei Tote, einer s.o., der andere tritt einfach in Erscheinung, mehr nicht. Perlmann muss den aufklären, es wird aber nicht klar, ob er das wirklich schafft. Die Entführung wird schließlich beendet, klar, die Frau ist dauernd am Kämpfen (gegen den Entführer), befreit sich dann selber, wäre ja auch in der heutigen weiblich dominierten Welt anders unmöglich. Sie liegt aber auch im Clinch mit ihrem Erzeuger, dem reichen Bauunternehmer, und da verwundert es nicht, dass sie den in diversen Telefonaten immer nur anschreit. Auch wenn sie Pizza isst. Alles nicht aufrührend, alle eher spießig, wie beim alten Bienzle, nur mit mehr Aufwand. Humoristische Einlage: der Cowboymarsch der vereinigten Polizeimacht D/CH durch die Konstanzer Innenstadt.
Der Gag allerdings, und der kommt unerwartet und ist sogar ein wenig überzeugend: als die Tüte mit dem Lösegeld (kein schwarzer Koffer!) geradezu herrenlos auf einem Autokühler liegt (Polizist: "Kümmert Euch mal um das Lösegeld!", sehr unglaubwürdig), greift sie sich die (Gestörtes Tochter/Vaterverhältnis; der Vater hat sie mal geschlagen) und verschwindet per Anhalter in die nahe Schweiz. Und nu?

Fazit: langweiliger Krimi vom Bodensee. Eva könnte mal abtreten. Alt genug, und Hannelore Hoger hat es ihr unnachahmlich vorgemacht.

Montag, 29. September 2014

Wahre Liebe (28.9.2014)

Es war ein Kölner Tatort, den man vergessen kann,  mit Ballauf und Schenk sowie einer neuen recht untalentierten Schauspielerin als Assistentin, die eigentlich nur gut schoss - was immer das zu bedeuten hat im Kontext einer gewaltbereiten Polizei oder von Sicherheitsdiensten...
Es ging um den Tod der Geschäftsführerin eines Partnervermittlung, die auf einer ähnlichkeitsbasierten Software ihr Geschäftsmodell aufbaute. Doch der Tod jener war nur eine Beziehungskiste, das andere schien Beiwerk zu sein. Das Thema "Partnersuche im Internet" ist ja nicht unaktuell, doch wurden die Probleme etwa der Risiken, der Gefahren oder der Kriminalität nur gestreift, selbst wenn die untalentierte Assistentin vom Betrüger gefangen wurde und sich (klar!) dennosch selbst befreien konnte, mit einigen wenigen bizarren Schreien untermalt.
Unterm Strich langweilig und unerheblich.

Montag, 1. September 2014

Paradies (31.8.2014)

Allein an dem zeitlichen Abstand zum letzten Tatort (Juni 2014) kann man erkennen, wie uns das Fernsehen über den Sommer hingehalten hat. Wiederholungen, ja, aber nicht mal gute. Insofern bin ich dem Fernsehen als treuer Tatortanhänger gar nicht mal böse.
Und nun diese Tragikomödie mit Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser), aber auch mit dem 84jährigen Peter Weck! Es ging - so sah es zunächst mal aus - um eine dieser Seniorenkracher, die derzeit in sind (der Hundertjährige, Spätzünder, das Quartett etc.) und meist die wunderbare unabhängige oder gar Freiheit spendende Welt der Alten in Heimen oder sonstwo suggerieren.
Hier nun ein offen gesagt sehr unappetitliches, dunkle und unsauberes  Heim irgendwo in der Steiermark, wo Eisner und Bibi (unverzichtbar und einmalig gut) sich mit Urlaubsproblemen herumschlagen. Wunderbar die Anfangsszene mit der reiseunerfahrene Bibi (wer's glaubt). Dann aber der tote Vater der Bibi, da kommt es dann in Rollen. Drogenschmuggler, diese Alten, allen voran Herr Ransmeier (Peter Weck, superalt). Sie holen sich als Medikamente verpackte Crystal-Meth-Kapseln aus Ungarn nach Deutschland und bekommen dafür von Dealern 200 € zur Aufbesserung ihres Daseins und zum Ausbrechen aus der Misere (Spanien). Doch das geht schief. Und bleibt authentisch. Die Truppe fliegt dank Eisner und Bibi auf - mit örtlicher und ungarischer Fremdunterstützung. Und ein Mord passiert auch noch, denn der Hauptdealer ist der Enkel des Ransmeier (super gespielt), der von seinem Opa erschlagen wird (das nun ist etwas dick aufgetragen, aber gut). Beseitigt wird die Leiche von einem CM- Abhängigen (ebenfalls super gespielt).
In seiner Verzweiflung stürzt der Opa sich vom Dach eben jener Seifenfabrik, die er dank seiner Tochter (Goneril?) verlassen musste.
Fazit: ein sehenswerter Tatort-Auftakt, hervorragende Schauspieler, Spannung und 95% positiver Faktencheck (in der FAZ).

Dienstag, 24. Juni 2014

Tatort und FIFAFU

Während der FIFAFU werden keine neuen Tatortproduktionen gezeigt. Statt dessen gibt es - und nicht nur da - nervtötende Wiederholungen, die nur einen Zweck verfolgen: sich möglichst nahtlos und zwanghaft in die Fernsehwelt der FIFAFU einzuklinken, und nicht nur zu sehen, was dort (meist) 22 Leute in bunten Gewändern mit einem runden Ding genannt Ball machen, sondern auch die nicht unauffällige Werbung von Autofirmen und Cocacola zu bewundern. Das ist alles, denn man hat ja Millionen (Milliarden?) für das ganze ausgegeben. Nun soll auch was zurückkommen. Und seien es die hirnlosen Kommentare der Reporter - oder noch schlimmer  - der Spieler.
Kein Tatort nirgends. Der Fernseher kann ja auch mal abgeschaltet werden. Zwang ist uncool.

Freitag, 13. Juni 2014

Freigang

ARD 09.06.2014

Dieser Stuttgarter Krimi wird durch Thorsten Lannert (Richie Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) in etwas unterkühlter, um nicht zu sagen: betulicher Form aufgespielt. Es geht um eine Verschwörung von Justizangestellten mit ihren (bevorzugten) Gefangenen, die per organisiertem Freigang zu kriminellen Handlungen angestiftet werden. So sind die Urheber außen vor, und die Mörder haben eigentlich wasserdichte Alibis. Lannert spielt darin einen Maulwurf, um dieses aufzuklären und das eben ist etwas unterkühlt. Hier wäre mehr interne Gefängnisaktion angesagt. Abgesehen von einer Prügelei mit einem dicklichen, "benachteiligten" Insassen - ein bssichen langweilig.
Bootz deckt dann auf, dass der Anstalts-Direktor der eigentliche Drahtzieher ist, und der erschießt den Mörder. Innere Logik? Bootz liegt in Scheidung übrigens, mit dieser hübschen und frustrierten Kommissarsfrau. Innere Logik?

Montag, 12. Mai 2014

Ohnmacht

11.5.2014 ARD

Endlich mal wieder ein guter, ein spannender, ein zeitkritischer Tatort, diesmal aus Köln. Gut, weil vieles - nicht alles - authentisch war und "passte". Spannend, weil die Handlungsstränge nicht verwickelt und verworren waren, sondern klar auf ein unabweisbares Ende hinliefen, das dann im Abspann - das hatten wir noch nie - auch endlich kam. Selbstjustiz als letztes Mittel, seine Ohnmacht zu demonstrieren.
Um was ging es?
Ballauf (Klaus Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) treten gegen eine massierte Oberschicht-Jugendkriminalität an, die sich auf einem U-Bahnhof abspielt. Die Kommissare begeben sich nach einem Currywurstgenuss (teilweise) nach Hause. Schenk im PKW, Ballauf zu Fuss mit einer Flasche Bier in der Hand. An besagtem U-Bahnhof wird a) ein Jugendlicher von Gleichaltrigen halbtot geschlagen uns stirbt später an den Verletzungen, und b) Ballauf vor die einfahrende U-Bahn gestoßen. Er überlebt, ist wesensverändert und aggressiv von nun an. Die Täter, Jugendliche aus "besseren" Verhältnissen, sind: ein sehr gut spielender Haupttäter, ein pubertierendes Engelsgesicht von Mädchen samt albtraumhafter Mutter und ein Mitläufer, der das alles digital filmt und ins Netz stellt. Soweit der Plot.

Entscheidend die Abwicklung. Eine neue Sekretärin (motzige Nachfolgerin von der ermordeten Franziska) mit Hang zu Computerhochmut, bringt manche Erkenntnis, auch die, dass Ballauf ein wenig digital zurückgeblieben zu sein scheint. Eine eher zynische Haftrichterin stellt fest, sie habe das Jugendrecht nicht gemacht und entlässt die dingfest gemachten Täter bis auf einen in ihre Freiheit zu den "Erziehungsbrechtigten". Ballauf regt sich über diese Praxis auf, und das Mädchen, das vorher zu ihrem Schutz (als Begründung) vorgibt, von ihrem bieder gespielten) Vater missbraucht worden zu sein, wird von eben dem hingemordet.
Oberschicht-Jugendkriminalität, gibt es die - außer der so oft von den Medien thematisierten Ausländerkriminalität? Sicher, und es ist eben auch wichtig, die zu zeigen: Nicht nur Türken oder Russen hauen drauf, sondern auch die Söhne der Rechtsanwälte und Ärzte, die den Kick brauchen. Die Welt in der sie leben, gibt ihnen alles, aber eben nicht genug. Haben sie einen genetischen Defekt? 

Ohnmacht: Wenn der Einzelne einem solchen Intensivtäter ausgeliefert ist, kann sein Opferdasein nur von diesem Gefühl, dem der Ohnmacht, geprägt sein. Die Täter werden nach der subjektiven Sicht des Opfers nicht angemessen bestraft. Aber was ist dann angemessen? Diese extreme Selbstjustiz wie im Film kann es ja auch nicht sein, es sei denn wir wollen amerikanische Verhältnisse. Man kann nun schimpfen und brüllen wie Ballauf... Der nachfolgende Talk von Jauch war da auch nicht erhellend. Hier wurde deklariert und deklamiert, hier wurde erklärt und geurteilt. Die Gene spielten eine Rolle, sagte ein Psychiater.
Es ist eben ein klassisches Dilemma.
Übrigens: der Mörder des Violine spielenden Opfers wurde nicht festgestellt. Das war der einzige Fehler. 

Montag, 28. April 2014

Kaltstart

Es war ein dies ein recht spannender Krimi aus Hamburg, besser Bremerhaven, aus einem Containerterminal beachtlicher, ja erdrückender Größe, in dem neben einer erstaunlichen Leere sich sowohl ein Schlepperdrama mit Kongolesen abspielte, als auch ein XXL-Verbrechen organisiert hatte. Ermittler waren Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller), die sich in einen unvorhergesehnen neuen Einsatz als Bundespolizisten (neu; daher Kaltstart) verwickelt sahen, der zwei Ebenen durchspielte, die eine mit einer spannenden Jagd auf Schlepper, die Kongolesen mittels Containerfracht ins Land schmuggeln wollten, die andere, eine darauf aufsetzende Mordgeschichte an einem dieser Schlepper, der einer namenlosen, aber schlagkräftigen Organisation wohl ins Gehege gekommen war, wobei auch die Freundin des Falke und ein weiterer Polizist ums Leben kamen. Dann aber die Organisation, die mit einem Kongo-Killer (Oberst und Milizionär) und einem gut gespielten skrupellosen Subchef Waffen etc. über eine Logistikfirma transportieren wollte. Ohne Gesicht, diese Organisation! Oder bessere, Gesichter, die völlig mittelmäßig-normal und ohne Ausdruck irgendeiner Empathie waren, drückten die entscheidenden Knöpfe im Drohnenapparat.
Sie hatten Drohnen im Einsatz! Eine solche, zusammen mit einem irren Überwachungsapparat versenkte dann den Subchef im Nirwana. Sehr gut gemacht, spannend und düster. Am Schluss keine echte Aufklärung, die Bösen werden nicht beseitigt, Fortsetzung folgt. Hoffentlich!

Freitag, 25. April 2014

Zwischen zwei Welten

Dass man in der Schweiz nach gleichen Schemata Polizeiarbeit leistet wie in Deutschland, wird einem in diesem langweiligen und von vieldeutigen Blicken begleiteten Krimi aus Luzern mit Kommissar Flückiger (Stefan Gubser) und der Lesbe Liz Ritschard (Delia Mayer) klar. Ausserdem stimmt das nicht ganz: die Ermittlungen wurden entscheidend beeinflusst von einem Spurensucher der besonderen Art: einem Hellseher. Das hatten wir in Deutschland noch nicht. Dieser führt tatsächlich auf die richtige Spur. Und warum "zwei Welten"? Eben deshalb! Die eine, die reale Welt, bringt die Leiche, die andere, die parapsychologische Welt, bringt die Zusammenhänge. So wird die Tote, die eine "Heilerin" ist, als Mutter dreier Kinder von drei verschiedenen Vätern (die alle in den Focus rücken) zum Opfer ihrer eigenen Kinder.
Es gibt übriges eine Vätergruppierung in diesem Film, die sich verloren gegangener "Väterrechte" widmet. Alles Machos oder was? Die Gruppe rückt sogar (vorübergehend) in den Täterfocus, damit die Sache auch richtig gesehen wird.. Sic.
Ales in allem ein wenig überzeugender, ja unansehnlicher Tatort.