Freitag, 19. Juli 2013

Kurze Nachricht

Zur Zeit laufen im Fernsehen - so machen die das - nur Wiederholungen. Und nicht mal gute. Daher ist auch hier im Blog die Sommerpause eingetreten. Bis bald, d.h. so ab September...

Montag, 27. Mai 2013

Spiel auf Zeit

Der angeschossene Eisner in dem Tatort "Unvergessen" wurde hier nun doch vergessen. Und so doll war er nun auch wieder nicht.
Ganz anders der gestrige Tatort mit Thorsten Lannert (Ritchie Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) mit dem Titel "Spiel auf Zeit",  übrigens mit einer neuen Masche: Man kann selber online ermitteln. Ein Online-Spiel im Spiel auf Zeit. Ich halte das für ziemlichen Quatsch, bin natürlich einer der konventionellen Tatort-Indianer.
Der gestrige Streifen war sehenswert. Er enthielt gekonnte Aktionen (kein Ballerspiel wie bei Schweiger) mit psychologischem Tiefgang, mit einem geradezu sympathisch-kunstfertigen Oberganoven namens Victor de Man (Filip Peeters), der in eine zurückliegende Tragödie des Lannert (unverschuldet) verknüpft war, deshalb (oder deshalb nicht) einsaß (?) und ein Informant des Teams wurde. Dieser Sachverhalt war etwas unklar, wurde aber durch das spielerische Können der Akteure elegant ausgeglichen. Lannert vertraut dem de Man, läßt ihn vorübergehend frei, gefährliche Sache das...
Worum ging's?
Es wird ein Gefangenentransport von einer Ganovengruppe hochgenommen. Der Insasse, ein Zellengenosse des Man, bereitet "ein großes Ding vor", das aber in die falsche Richtung, quasi in die Irre als ein perfekt erscheinender Bankraub, führen soll. Die Polizisten gehen dem zunächst auf den Leim. In Wahrheit (was ist das?) bereitet aber der Informant und "Vertraute" des Lannert, diesen einschließend und als Werkzeug benutzend, ein anderes, größeres Ding vor, das im hochtechnisiert vorbereiteten Raub der Druckmatrix einer 200-Euro-Note besteht. Letztlich geht das schief, spannungsgeladen und mit bestens spielenden Akteuren, einschließlich der Staatsanwältin Alvarez... und de Man wandert wieder in den Knast, aber das Ganze harrt einer Fortsetzung, denn die Geschichte mit dem missbrauchten Vertrauen und die Vorgeschichte selber (Lannerts Familie) sind nicht völlig geklärt.
Es gibt auch einen Seitenstrang der Handlung: Bootz' Frau will sich scheiden lassen zugunsten eines Rollstuhlfahrers (vielleicht ein bisschen zu behinderten-korrekt?), und die Wut, mit der Bootz nun aufgeladen ist, entlädt sich teilweise im Einsatz. Gute Einbindung dennoch.
Also guter Tatort, spannend und auch gespannt, was noch kommen mag...

Dienstag, 14. Mai 2013

Borowski und der brennende Mann

Kieler Tatort mit Mankell-Charme. Spielt zwar nicht in Schweden, aber wenigstens in Dänemark. Borowski (Axel Milberg) und Frau Sarah Brandt, die Epileptikerin im Polizeidienst (Sybil Kekilli) ermitteln in einem äußerst skurrilen Fall, der sowohl im nördlichsten teil der BRD, in Dänemark und in der jugendlichen Vergangenheit des Vorgesetzten Thomas Schladitz (Thomas Klügel) spielt. Es geht thematisch um nicht aufgearbeitete Flüchtlingsprobleme der Nachkriegszeit. Man hat sie ja nicht überall geliebt oder mit offenen Armen empfangen, diese Schlesier, Pommern oder Sudetendeutsche, so auch hier...

Beim Lucia-Fest-Umzug an einer dänischen Schule steht plötzlich ein Mann lichterloh in Flammen. Kriminalrat Schladitz, der an diesem Ort seine Kindheit verbracht hat, wird zum unfreiwilligen Zeugen des brutalen Anschlags. Der Tote, Michael Eckart, war hier Schulleiter und ist Mitglied der dänischen Minderheit. Zunächst deutet alles darauf hin, dass der Mörder im direkten Umfeld des Toten zu finden ist. Doch dann entdeckt Kommissar Klaus Borowski ein Geheimnis, das in die Nachkriegsgeschichte von Schleswig-Holstein zurückreicht. Bei ihren Ermittlungen bekommen die Kieler Kommissare Amtshilfe von der hochmotivierten Südschleswiger Kommissarin Einigsen, die voller Elan in ihrem ersten Mordfall ermittelt. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Kriminalrat Schladitz erleidet einen Autounfall, offenbar weiß er mehr über die Identität des Toten, als er seinem Freund und Kollegen Klaus Borowski erzählt hat.
Auftritt auch noch eine junge, sympathische Ermittlerin, die der dänischen Minderheit in dieser Region entstammt: Frau Einigsen (Lisa Werlinder), so mitreißend authentisch, dass man sie noch öfter sehen möchte.
Es geht dann um die Nachkriegsvergangenheit einer Gruppe Schüler, die in einem Flüchtlingshaus mit ungeliebten pommerschen Flüchtlingen ein Feuer legt, in dem die Familie bis auf einen überlebenden Jungen umkommt.
Der scheint dann - zwar erfolgreicher Unternehmer in Kopenhagen - Vergeltung üben zu wollen, denn alsbald kommen noch weitere Mitglieder der Jugendgang ums Leben, verbrennen oder werden erschossen.
Es stellt sich aber schlussendlich und mit einem Shootdown, der ein bisschen zu aktionistisch wirkt, heraus, dass ein weibliches (sic!) Mitglied, Anja Jürgensen (Johanna Gastdorf) der Gang esoterische Sühnejustiz übt: sie ist nämlich die Mörderin und Brandstifterin.
Fazit: ein wieder mal toller, spannender und tief gehender Krimi, der es verdient auf einer Skala von 1 bis 10 (schlecht, sehr gut) mit 9 oder 10 bewertet zu werden.

Trautes Heim

Der achtjährige Lukas wurde auf offener Straße entführt. Und auf der Flucht vom Tatort tötet der Kidnapper gleich auch noch den einzigen Zeugen. Ballauf und Schenk stehen vor einem Rätsel. Warum wurde der Junge verschleppt? Geht es um Erpressung? Lukas kommt aus einer intakten Familie, die in einfachen Verhältnissen lebt. Oder ist hier ein Sexualstraftäter am Werk?
Max Ballauf (Klaus J.Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär)  servierten endlich mal wieder strenge und klassische Krimikost. Keine Kekilli, Kunzenberg und auch nicht der auserzählte Börne. Irgendwie  war das auch wieder sehenswert und das auch, weil die Handlung auch für mich nachvollziehbar und überschaubar war. Im edlen Wettstreit der frühen Täterfindung war ich gegen Marita diesmal schneller. Das will was heißen. Zwei Schwerpunkte:
1. Das Moralische: Mann mit zwei Familien, der sich dazu bekennt. Zwei glaubwürdig verunsicherte und verzweifelnde Frauen. Zwei Kinder. Und was Neues: Eine sog. "Alibi-Agentur", die maßgeschneidete Alibis für Seitensprung-Ehemänner zimmert. Toll. Aber nun beginnt der zweite Handlungsstrang:
2. Das Kriminelle: ein Entführungsszenario eben dieses Kindes, veranstaltet vom Schwager, aus Rache wegen eines früheren Konflikts und um Money bei einem Software-Spezialisten freizupressen: Kreditkartenbetrug als Modell. Um einen Mord einzupassen (muss sein), wird ein motorradfahrender Zeuge brutal überfahren.
Ging natürlich alles schief, der Ehemann gibt sich zerknirscht und die Kommissare, teilweise leicht überfordert, brachten es zu gutem Ende.
Also, unkompliziert und eben klassisch, man atmet auf. Auch mal wieder nötig, vor den zutiefst verunsichernden wahren Krimi-Episoden des Schirach, die folgten....

Montag, 29. April 2013

Feuerteufel

Und wieder ein neuer Kommissar: Herr Falke (Wotan Wilke Möhring) tritt in Hamburg (Konkurrenz zu Til Schweiger? Das wäre zu klären!) auf, und er erträgt die zeitweilige Mitarbeit einer Hospitantin namens Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) nur schwer. Er zieht eine klare Linie durch, die einer recht schnörkellosen Handlung folgt: Ein Auto brennt und eine darin befindliche Frau wird (ohne Brandspuren) tot, aber vor dem ausgebrannten Auto gefunden, nachdem der Brandstifter, ein konfuser Junge, der seiner Freundin mit dem Brand imponieren will, in purem Erschrecken ("Das wollte ich nicht") die Polizei alarmiert hat. Er hat von dem ganzen Vorgang ein Smartphone-Video gedreht. Autos brennen in Hamburg dauernd, und die Anarchoszene lebt davon.
Der Junge wird von einer Jugendbande zusammengeschlagen, und das Handy gerät in falsche Hände. Der Junge bekommt das Mobile wieder, verletzt aber den neuen Besitzer schwer. Ziemlich schlimme Sache, und der Kommissar, der seine Kollegin politisch inkorrekt nur schwer erträgt, nimmt ihn nun doch als offenkundigen Täter fest, als er den Ehemann der Frau bedroht  Dieser wohlhabende Mann aber startet ein privates Kopfgeldprogramm (25.000 Euro), allerdings nur zum Schein, denn schnell wird klar, der Mann hat "Dreck am Stecken". Auch eine Bürgerinitiative, gegen die Autobrände ins Leben gerufen ("die Polizei tut ja doch nix"), macht Probleme, als sie einen Unschuldigen zu Tode hetzt.
Zum Schluss wird a) der Mann in einer Gegenüberstellung als Täter entlarvt (Motiv: eine psychisch haltlose und tablettenabhängige Ehefrau treibt ihn zur Tat) und b) der Kommissar doch noch zu einer positiven Haltung seiner Kollegin gegenüber gewandelt. Diese bleibt.
Wie war der Tatort? Viel Gewaltszenen, wenig Spannung. Mittelprächtig. Möhring war immerhin recht gut, auch weil das Genderthema endlich mal wieder vom Kopf auf die Füsse gestellt wurde. Herr Falke ist der Aktive, Frau Lorenz dagegen die Passive, aber deswegen gerade nicht unsympathisch.

Montag, 15. April 2013

Wer das Schweigen bricht

Frank Steier (Joachim Krol), Conny Mey (Nina Kunzendorf) sind wieder die Akteure dieses Tatorts aus dem Justizvollzugsmilieu - in Frankfurt. Sie läßt gleich am Anfang erkennen, dass dies ihr letzte Einsatz sein soll. Dieser Steier spielt den mürrischen, kommunikationsarmen Kommissar wieder sehr gut, die Kunzenberg hält sich (aus obigen Gründen wohl) diesmal mehr zurück und überlässt die Szene fast ganz dem Steier, der insgeheim trinkt.
Ein recht eckiger, um nicht zu sagen unappetitlicher Kommissar, aber er spielt sehr gut. Die Kunzenberg weniger, etwas ironisch und abgesondert, überhaupt: die Hauptdarsteller sind kein Team, sondern eher eine Zweckgemeinschaft. Sie mögen sich nicht oder zeigen es wenigstens nicht.
Die Handlung:
ein Insasse der JVA, in der Jugendliche resozialisiert werden, wird ermordet, und ihm werden postmortal die Zehennägel gezogen. Man denkt erst an Folter, doch es ist ein Signal (welches?) des Mörders, eines weiteren Insassen, der sich wegen Geldforderungen aus unbezahltem Drogenhandel rächen will und sich nun selber die eigenen Zehennägel zieht. Dieses gehe, sagt die Kliniks-Hautärztin, weil der an Psoriasis leidet, was wohl eine Art Schmerzfreiheit ermöglicht (??). Der Tatort der Zehennägel. Wär was für Podologen.
Dafür muss er nun aber mit der Entführung seiner Familie rechnen, was ausserhalb des Knasts tatsächlich auch eintritt. Um sie zu retten, flieht der Mörder dramatisch aus einem Kliniksaufenthalt und wird wieder eingefangen. Steier und Mey sind nun die eigentlichen Protagonisten. Um die Ehefrau zu befreien - ihr Kind wird auf einer Strasse gefunden (wohl um eine unnötige Dramatisierung zu vermeiden) - müssen Steier und Mey in Aktion treten  Steier erschießt den Entführer, und alle haben nun Zeit, über die Geschichte nachzudenken.
Bewertung: in den Medien wird er ja hochgelobt, beide Kommissare bekommen Bestnoten. Für Steier schließe ich mich an. Vom PLot selber - nun, obwohl real gezeichnet, aber dennoch - spannend war  er nicht. Note drei.

Montag, 8. April 2013

Eine Handvoll Paradies

Schlechter Tatort, sehr schlechter Tatort. Würg.
Dabei handelte es sich um eine neue, schreckliche und daher unbedingt ohne Rücksicht auf Handlung und Logik zu verfolgende Geschichte der Aufdeckung und Vernichtung eines Drogenhändlerringes, personifiziert durch eine saarländische Rockerbande. Sowas aber auch - ich wusste gar nicht, dass es sowas überdurchschnittlich Schreckliches hier im unterdurchschnittlichen Saarland überhaupt gibt.
Während ich den ersten "saarländischen" Tatort recht ungewöhnlich und daher gut fand, kann ich hier nur sagen, schreckliches Geschehen auf dem Bildschirm. Heiter-spannend? Lachhaft-langweilig.

Läppisches Getue  unlogische Handlung, irre Staatsanwältin, und Devidle hier eher kasperlehaft. Di weibliche Person - deren Namen man sich nicht merken muss - nebensächlich. Dieses Adjektiv gilt allerdings auch für den ganzen Tatort. Schade.
Das war verlorene Zeit und ärgerliche dazu.
Die zum großen Teil unappetitliche Handlung, getragen (mehr oder weniger) von Vespafahrer Jens Stellbrink (Devid Striesow) und Lisa Marx (Elisabeth Brück), spielt in diesem Rockermilieu wo einer derselben ermordet wird. Konflikt: die Rockerbande mischt auch in einem Drogendeal mit - siehe oben. Stellbrink verheddert sich unauflösbar in diesem Milieu, und alles wird noch schlimmer, als eine Thailänderin als Transvestit geoutet wird  Unglaubwürdige Geschmacklosigkeit.  Zum Schluss, Stellbrink allein gegen alle - kommt als Rettung wie im Märchen dann doch die Polizei, keiner weiß, wer sie gerufen hat. Aber das happy End tritt halt ein. Unaufhaltsam. Ungeheuer geschmacklos.
Die raren schönen Seiten des Saarlandes (Gau und Meisterhäuser in Wehrden) wurden zwar gezeigt, aber doch mehr am Rande. Auch kein großer Wurf.
Also: Schlechter Tatort. Sehr schlechter Tatort.
Warum, warum nur hat man Kappl und Deininger abgesägt? Immer wieder die gleiche Frage.  Und immer wieder unbeantwortet.